Hintergrund

Mit einem Impulspapier zur „Thüringer Strategie für die Digitale Gesellschaft“, startete die Landesregierung des Freistaats Thüringen im vergangenen Jahr einen breit angelegten Prozess zur Entwicklung einer Digitalstrategie. Der Strategieprozess wird gesteuert durch das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitale Gesellschaft (TMWWDG), in die Erarbeitung sind sämtliche Ressorts der Thüringer Landesregierung eingebunden. Ziel ist es, bis Ende 2017 eine Strategie in das Kabinett einzubringen, auf deren Basis dann konkrete Projekte zur Digitalisierung in den folgenden Jahren umgesetzt werden können.

In drei Leitthemen werden dazu konkrete Maßnahmen entwickelt, die die Digitalisierung des Landes voranbringen sollen: „Mittelstand 4.0“, „Digitale Landesentwicklung für den städtischen und ländlichen Raum“ und „Bildung und Forschung digital“. Die ersten Maßnahmen wurden in Digitalwerkstätten unter Beteiligung externer Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft erarbeitet. Hierbei kamen insgesamt 200 Teilnehmer in Erfurt zusammen, um in elf verschiedenen Handlungsfeldern Maßnahmen und Ideen zu entwickeln, zu diskutieren und zu konkretisieren. Die Konkretisierung diente vor allem dazu, frühzeitig auch die Finanzierung und Machbarkeit zu prüfen und damit realistische Umsetzungspläne für die Strategie zu erarbeiten.

Die 11 Handlungsfelder

Im Thüringen von morgen sollen der ländliche Raum und städtische Gebiete optimal vernetzt sein – in den Bereichen Mobilität, Breitband, Versorgung und Daseinsvorsorge. Die Kommunen der Zukunft sollen durch smarte und agile Verkehrsprojekte, mehr Zusammenarbeit sowie die Nutzung von Technologien für ein selbstbestimmtes Leben lebenswert bleiben. Insgesamt schafft eine gute Vernetzung flächendeckend komfortable Lebensbedingungen auch für eine immer älter werdende Gesellschaft.

Die flächendeckende Patientenversorgung, insbesondere in ländlichen Gebieten, soll auch in Zukunft garantiert werden. Zudem werden Technologien dafür genutzt, gute Qualität zu bezahlbaren Preisen anbieten zu können und den Austausch zwischen Ärzten verschiedener Fachbereiche zu stärken. Dafür setzt Thüringen auf einen gemeinsamen telemedizinischen Dialog und möchte zentral alle Akteure zusammenbringen.

Die Zukunft der Energie ist erneuerbar und nachhaltig. Deshalb braucht Thüringen kreative und clevere Ideen, wie Energielösungen in Zukunft aussehen können – für Endverbraucher und Unternehmen. Fernwärme, Ressourcenschonung und CO2-Neutralität sind hierbei wichtige Stellschrauben.

Der industrielle Mittelstand ist ein wichtiger Bestandteil der Thüringer Wirtschaft. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit in der Zukunft, braucht es in den Unternehmen eine breite Akzeptanz und Verständnis für Digitalisierung. Der kontinuierliche digitale Wandel soll auch durch vertrauensvolle Zusammenarbeit und kooperative Wertschöpfungsnetzwerke ermöglicht werden. Best-Practices, bestehende Angebote und Aktivitäten verschiedener Akteure und von Netzwerken/Clustern in Thüringen sollen sichtbarer werden, um damit Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Unternehmen zur Digitalisierung zu motivieren.

Das Handwerk in Thüringen ist für den Wirtschaftsstandort unverzichtbar. Die Handwerksbetriebe sollen Anreize und Angebote erhalten, um auf Basis digitaler Prozesse integrierte Produkte für die Kunden anbieten zu können. Dafür sollen für die Handwerker alle Informations- und Unterstützungsangebote gebündelt verfügbar sein, Anreize sowie Möglichkeiten zur Kooperation geschaffen und Best-Practices aufgezeigt werden.

Der Tourismus in Thüringen kann in Zukunft durch die Digitalisierung gestärkt werden. Ein einheitliches digitales Auftreten und die Förderung Digitaler Innovation für touristische Attraktionen sind mögliche Stellschrauben, um den Tourismus in Thüringen nachhaltig zu steigern. Gleichzeitig kann die Zufriedenheit mit den Angeboten durch integrierte Informationslösungen verbessert werden.

Der Mensch steht in der Arbeitswelt 4.0 im Mittelpunkt. Um die Digitalisierung zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, brauchen wir neue Konzepte zur Weiterbildung, zentrale Orte zum Lernen, die für alle Auszubildenden zugänglich sind und Trainer, die auf die Digitalisierung ausgerichtet sind. Zudem gibt es bereits viele Informations- und Weiterbildungsangebote, die mit Hilfe digitaler Technologien noch besser genutzt werden können.

Thüringer Schulen sollen Orte des digitalen und vernetzten Lernens werden. Die Lehrpläne müssen der Digitalisierung und Veränderung der Arbeits- und Lebenswelten gerecht werden. Schulen sollen ans Netz, digitale Angebote sollen flächendeckend verfügbar sein. Zusätzlich brauchen junge Menschen das Handwerkszeug, das Gespür und die Kompetenz, um in digitalen Räumen gut zurechtzukommen.

Lebenslanges Lernen gewinnt durch die Digitalisierung zunehmend an Bedeutung. Bildungsangebote für Erwachsene müssen gestärkt und neu gedacht werden. Digitale Angebote vereinfachen den Zugang zu den Lernwelten, die sich auf die besonderen Bedürfnisse in der Erwachsenenbildung einstellen.

Die Thüringer Hochschulen der Zukunft sind wettbewerbsfähig, am Puls der Zeit und bei den Studierenden beliebt. Das kann nur gelingen, wenn Digitalisierung in den Curricula ein fester Bestandteil wird, durch mehr Open Access und die gezielte Förderung von innovativen, digitalen Lehrangeboten. Auch brauchen moderne Hochschulen neue Campusmanagementsysteme und sollen kooperativ zusammenarbeiten und Kompetenzen austauschen.

Die Forschung in Thüringen wird in Zukunft ein wesentlicher Standortfaktor durch Schaffung eines innovativen Umfelds, welches Experten aus der ganzen Bundesregion und darüber hinaus anzieht. Digitale Forschungsfelder und -ideen sollen stärker gefördert, Zusammenarbeit verstärkt, Datenbanken entwickelt und die Chancen der Digitalisierung sichtbar gemacht werden.

Ergänzend zu den drei Leitthemen finden auf Ebene der Ressorts intensive Abstimmungen zu den Themen Breitbandausbau und E-Government statt, die ebenfalls Eingang in die Digitalstrategie finden werden.

Die Thüringer Strategie für Digitale Gesellschaft versteht sich als Plattform, daher ist die Beteiligung aller Bürgerinnen und Bürger im Entwicklungsprozess ein wichtiges Element. Die bereits entwickelten Maßnahmen wurden einer größeren Öffentlichkeit bereits auf einer Digitalkonferenz im August 2017 in Erfurt präsentiert. Im nächsten Schritt wird das Verfahren nun online geöffnet, sodass alle Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit erhalten, eigene Ideen vorzuschlagen und bestehende Maßnahmen zu kommentieren. Diese Mitwirkung soll die Strategie von Anfang an fest in der Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft verankern.


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