Vision

Ziel ist es, dass Unternehmen ihren Platz in den zunehmend international ausgerichteten Wertschöpfungsnetzwerken behaupten und ausbauen können, sodass sie ihre Wettbewerbsfähigkeit erhalten und auch in Zukunft wettbewerbsfähige, qualitativ hochwertige Arbeitsplätze anbieten können. Die Digitalisierung als kontinuierlicher Transformationsprozess in den Betrieben und ein Paradigmenwechsel hin zu einer unternehmensübergreifenden kollaborativen und interdisziplinären Zusammenarbeit sind dafür Schlüsselfaktoren.

 

Wesentliche Maßnahmen für den industriellen Mittelstand

# Wirtschaft 4.0-Kompass Thüringen

Mit Hilfe eines virtuellen „Wirtschaft 4.0-Kompass Thüringen“ soll den Unternehmerinnen und Unternehmern eine Orientierung für ihre Fragestellungen zu Wirtschaft 4.0 sowie ein transparenter und aktueller Überblick über die Kompetenzen und Aktivitäten verschiedener, im Themenfeld „Wirtschaft 4.0“ aktiver Akteure Thüringens ermöglicht werden.

# Stärkung des Kompetenzzentrums Mittelstand 4.0 in Ilmenau

In Flankierung eigener Aktivitäten des Zentrums, die darauf abzielen, den Modellfabrikansatz um externe Fabs von Unternehmen zu erweitern, sollen im Rahmen dieser Maßnahme die Kompetenzen einer Demonstrations- und Lernumgebung gestärkt werden. Mit Hilfe eines solchen Lebendigen Labors, insb.
durch das Erleben und die Simulation des Konfigurationsprozesses auf einem realitätsnahen Testumfeld oder in einem individuellen Anwendungsfall, soll ein Verständnis für die aktuell diskutierten und zum Teil schon eingesetzten Technologien und Anwendungen im Bereich der Digitalisierung geschaffen werden.

# Wettbewerbsaufruf „Digitale Innovationen und Digitale Plattformen“

Über die Fortführung des Wettbewerbsaufrufs „Digitale Innovationen und Digitale Plattformen“ sollen innovative, praxistaugliche Modellprojekte mehrerer Partner unterstützt werden, die eine Anwendung neuer Technologietrends der Digitalisierung für Thüringer KMU und Nutzer veranschaulichen und erfahrbar machen. Wie in den vergangenen Wettbewerbsaufrufen nehmen dabei der Aufbau digitaler Plattformen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit innerhalb kollaborativer Wertschöpfungsnetzwerke eine wichtige Rolle ein.

# Digitaler Bonus Thüringen

Kleine und mittelständische Unternehmen (einschl. Handwerksbetrieben) sollen aufbauend auf einer Strategieberatung bei der Einführung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien, neuer Fertigungsmethoden und neuer Geschäftsmodelle über ein niedrigschwelliges Förderangebot unterstützt werden.

 


 

Thüringen ist vom industriellen Mittelstand geprägt: Mit mehr als 80 Betrieben des verarbeitenden Gewerbes pro 100.000 Einwohner liegt Thüringen mehr als 40 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Thüringens Wirtschaft weist bei den Treibern von Industrie 4.0 in den Spitzentechnologien Medizintechnik, Optik und Photonik, Sensorik, Steuer- und Regelungstechnik sowie in den additiven Technologien besondere Stärken auf.

Aus der näheren Betrachtung der Thüringer Wirtschaftsstruktur im Kontext von Digitalisierung und Industrie 4.0 ergibt sich zudem, dass Thüringens dominante Industrien gleichzeitig die Industrien sind, die an vorderer Position der derzeitigen Diskussion um Industrie 4.0 stehen. Mit mehr als zehn Milliarden Euro erzielen diese Branchen in Thüringen schon heute rund 60 Prozent der Umsätze des gesamten verarbeitenden Gewerbes und mit der Digitalisierung der Betriebe und Services sowie der Anpassung von Geschäftsmodellen sind weitere positive Wachstumseffekte möglich.

Zu dieser Einschätzung kommt eine im  uftrag des TMWWDG erstellte Studie zu „Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung industrieller Wertschöpfungsprozesse für Thüringen“ des Fraunhofer ISI und Fraunhofer IAO. Im Rahmen dieser Studie wurde eine quantitative Abschätzung zu den Auswirkungen von Industrie 4.0 auf Basis bestehender volkswirtschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Abschätzungen vorgenommen. Die dabei einbezogenen Studien nennen übereinstimmend den Maschinen- und Anlagenbau, Elektro- und Elektronikindustrie, die Automobilindustrie sowie die Informations- und Kommunikationsindustrie als diejenigen Branchen, für die Industrie 4.0 besonders relevant sind und die somit auch als Vorreiter agieren.

Ausgehend von diesen Branchen, den vorhandenen wirtschaftlichen Potenzialen in Thüringen sowie unter der Annahme, dass Thüringen dem nationalen Trend – Wachstum der Bruttowertschöpfung von 23 Prozent über den Zeitraum 2013 bis 2025 – folgt, prognostiziert die Fraunhofer-Studie für die Industrie-4.0-affinen Branchen in Thüringen ein Umsa  satzwachstum zwischen 2,4 Mrd. Euro (pessimistisches Szenario) und 3,1 Mrd. Euro (optimistisches Szenario) über den Zeitraum 2013 bis 2025.

Aufgrund der diversifizierten Wirtschaftsstruktur ergeben sich für Thüringen besondere Potenziale aus der Digitalisierung. Die im Vergleich zu Deutschland überdurchschnittliche Bedeutung der Produktion für Thüringens Wettbewerbsfähigkeit bedeutet aber auch eine große Notwendigkeit zur Implementierung von Industrie 4.0.

Ein Neudenken und Anpassen von Geschäftsmodellen, die Integration digitaler Services und die Optimierung der Geschäftsprozesse durch Smart Data können dabei ebenso erforderlich sein wie eine umfassende digitale Vernetzung der Maschinen untereinander und zwischen den verschiedenen Organisationseinheiten in der Produktionsplanung und -steuerung. Jede Firma muss dabei ihren eigenen Weg zur Industrie 4.0 finden und digitale Strategien entwickeln.

Insbesondere neue und weiterentwickelte Technologietrends und Anwendungsfelder, wie bspw. RFID-Technik, Robotik, additive Technologien/ 3D-Druck, Blockchain-Technologie, Cloud-Computing, die Erschließung von Massendaten (Smart Data) und Algorithmen des mas  inellen Lernens/ Künstliche Intelligenz bieten für die Thüringer Wirtschaft hohe Potenziale, um Geschäftsabläufe und Entscheidungsprozesse zu optimieren oder automatisieren sowie neue, individuelle Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, um damit ihre Wettbewerbsfähigkeit in den zunehmend international ausgerichteten Wertschöpfungsnetzwerken erhalten und ausbauen zu können. Über den Aufbau und die Teilnahme an sogenannten kooperativen Wertschöpfungsnetzwerken und digitalen Plattformen eröffnen sich gerade für kleine und mittelständische Unternehmen Möglichkeiten, dem strukturellen Nachteil der Kleinteiligkeit gegenzusteuern.

Der kleinteilige Mittelstand in Thüringen hat durch seine hohe Flexibilität und besonders hohe Kooperationsneigung im lokalen Umfeld gute Voraussetzungen, mit neuen Technologien und innovativen Geschäftsmodellen nicht nur die hohen Optimierungs- und Effizienzpotenziale zu nutzen, sondern auch über horizontale und vertikale branchenübergreifende Kollaboration mit anderen Unternehmen    Wertschöpfungsnetzwerken ganz neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Der bevorstehende Generationenwechsel in den Unternehmensführungen vieler, seit den 1990er Jahren bestehender Betriebe und die damit einhergehenden Übernahmemöglichkeiten durch die digitalisierungsaffinere Nachfolgegeneration eröffnen den Betrieben in Thüringen weitere Entwicklungspotenziale und einen grundlegenden Paradigmenwechsel hin zum kollaborativen Arbeiten.

Flankierung des digitalen Wandels durch die Landesregierung

Insgesamt sind die Unternehmen im Freistaat auf gutem Wege. Die oben genannte Fraunhofer-Studie zeigt auch auf, dass Thüringen bereits viele in Industrie 4.0 aktive Unternehmen hat, aber auch noch reichlich Akteure, die dem Thema Industrie 4.0 (noch) verhalten gegenüberstehen. Ziel ist es, möglichst viele Akteure für die Herausforderungen zu sensibilisieren und durch weitere Initiativen und Maßnahmen in die Prozesse einzubinden.

Die Thüringer Landesregierung und das TMWWDG im Besonderen unterstützen die Unternehmen durch die Schaffung notwendiger Rahmenbedingungen und konkreter Angebote, wie z. B. Unterstützung bei der Initiierung von modellhaften Pilotprojekten, damit die Digitalisierung für Unternehmen in Thüringen greifbar und erlebbar wird. Dabei stehen nicht nur Industrie 4.0, sondern Unternehmen aller Branchen im Sinne einer Wirtschaft 4.0 im Fokus.

Eine wichtige konzeptionelle Grundlage zur Entwicklung einer Wirtschaft 4.0 ist die Regionale Innovationsstrategie Thüringens (RIS3 Thüringen). Diese bildet  en Rahmen für die Unterstützung von Forschung, Entwicklung und Innovation von Unternehmen und von Unternehmen im Verbund mit Forschungseinrichtungen in den vier Spezialisierungsfeldern („Industrielle Produktion und Systeme“, „Gesundes Leben und Gesundheitswirtschaft“, „Nachhaltige und intelligente Mobilität und Logistik“, „Nachhaltige Energie und Ressourcenverwendung“). Der technologieübergreifenden Bedeutung der IT-Branche und der Digitalisierung als Wachstumsfaktor wird dabei mit dem Querschnittsfeld „Informations- und Kommunikationstechnologie, innovative und produktionsnahe Dienstleistungen“ Rechnung getragen, das über die Spezialisierungsfelder Thüringens hinweg agiert.

Die branchen- und technologieübergreifende Vernetzung erfolgt in derzeit 13 Foren als offenen Themen- und Diskussionslaboren sowie den übergeordneten fünf feldspezifischen Arbeitskreisen.

Mit dem im März 2016 veröffentlichten Aktionsprogramm für die Wirtschaft 4.0 in Thüringen wurden zudem wesentliche Rahmenbedingungen für eine digitale   rtschaft in Thüringen sowie diverse auf die Bedürfnisse des Thüringer Mittelstands in einer digitalen Welt zugeschnittene Maßnahmen ausgestaltet, z. B. Breitbandausbau (im Rahmen des laufenden Bundesprogramms), Förderung des Thüringer Kompetenzzentrums Wirtschaft 4.0 in Erfurt als erste Anlaufstelle für Unternehmen bei Fragen der Digitalisierung inkl. eines Selbst- Checks, Gründungsberatungen und Bereitstellung von Beteiligungskapital zur Unterstützung innovativer, auch digitaler Unternehmensgründungen und Modernisierung der Ausstattung überbetrieblicher Berufsausbildungsstätten.

Des Weiteren unterstützt das TMWWDG über Wettbewerbe zur Förderung von modellhaften Projekten in den Bereichen „Digitale Innovationen“ und „Digitale Plattformen“ von 2016 bis 2018 mit Fördermitteln in Höhe von insgesamt 2,1 Mio. Euro elf Modellprojekte von mehreren kooperierenden Unternehmen, deren Ergebnisse für die breite Wirtschaft zur Verfügung stehen.

Mit den geförderten Vorhaben aus ganz verschiedenen Bereichen, wie Industrie, Handwerk, Baugewerbe, Handel, soziale Arbeit und Schule, soll die Digitalisierung für Unternehmen aller Branchen anhand realer Anwendungsfälle greifbar und erlebbar werden. Diese Förderwettbewerbe sollen auch künftig durchgeführt werden, um die Thüringer Wirtschaft dabei zu begleiten, neue Technologietrends der Digitalisierung zu adaptieren und so an deren Nutzen zu partizipieren. Von Seiten der Bundesregierung wird zudem das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum in Ilmenau gefördert, das mit seinenfünf, an verschiedenen Orten in Thüringen verteilten sogenannten Fabs die Thüringer Industrie bei der pilothaften Erprobung und Demonstration von Technologien und digitalen Anwendungen unterstützt. Das Kompetenzzentrum ist eines von derzeit 20 deutschlandweit vom BMWi geförderten Zentren zur Information und Demonstration, um mittelständische Unternehmen und Handwerksbetriebe bei der Digitalisierung und Vernetzung sowie Anwendung von Industrie 4.0 bundesweit zu begleiten.