Vision

Im Thüringen von morgen sollen der ländliche Raum und städtische Siedlungsgebiete optimal vernetzt sein. Die Kommunen der Zukunft sollen durch smarte und ­flexible Verkehrsprojekte, mehr Zusammenarbeit sowie die Nutzung von Technologien für ein selbstbestimmtes Leben lebenswert bleiben. Insgesamt schafft eine gute Vernetzung flächendeckend komfortable Lebensbedingungen, insbesondere für eine alternde Gesellschaft.

 

Wesentliche Maßnahmen dieses Handlungsfelds

# Programm zur Förderung selbstbestimmten Lebens unter Einsatz  digitaler Technologien

Aufbau von Infrastruktur, Durchführung von Workshops und modellhafte Unterstützungsleistungen

# Agile Mobilitätsangebote im ländlichen Raum Thüringen

Weiterentwicklung bestehender Mobilitätsvorhaben in ländlichen Kreisen, Verwendung digitaler Technologien zur Optimierung des Nutzens.

# Smarte Verkehrsprojekte in Thüringens Städten

Durchführung von Modellprojekten zur Ausweitung und Steuerung der Ladeinfrastruktur sowie zum Themengebiet Sensorik. Untersuchung zur Vernetzung des ÖPNV und des MIV, zu Mobilitätsdaten und intelligenter Mobilitätssteuerung.

 


 

Zahlreiche Städte Thüringens legen bei der Stadtentwicklung z. B. hohen Wert auf Emissionsreduktion und Senkung des innerstädtischen Verkehrs durch Verkehrsflussoptimierung (z. B. Luftreinhalteplan Gera), Ausbau der Fahrradinfrastruktur (z. B. Radverkehrskonzept in Jena, Verkehrsentwicklungsplan Erfurt) und Ausbau von öffentlich verfügbarem WLAN (z. B. Weimarnetz, ­Freifunk Community Stadt Gera). Die Digitalisierung wichtiger Lebensbereiche wird einen entscheidenden Beitrag zur Konkurrenzfähigkeit Thüringens gegen­über anderen Bundesländern bzw. dem Ausland leisten können. Dabei gilt es, Zuwanderung zu fördern und Abwanderung zu verhindern.

Die Akteure der Stadtentwicklung werden aktiv die Möglichkeit nutzen, um die spezifischen Herausforderungen mit Hilfe digitaler Technologien nachhaltig zu gestalten. Dabei werden neue digitale Technologien viele Lebensbereiche in Verwaltung, Wirtschaft und aber auch im privaten Alltagsleben weiter verändern. Eine sogenannte Smart City nutzt digitale Technologien, um kommunale Infrastrukturen, wie beispielsweise Energieversorgung, Gebäudemanagement, Verkehrsführung, Wasser- und Abwasserversorgung zu verknüpfen und das Leben der Einwohner zu verbessern. Für den ländlichen Bereich bestehen in diesen Lebensbereichen ebenso große Herausforderungen und Chancen. Bereits heute leben 58 Prozent der Bürgerinnen und Bürger Thüringens auf dem Land (Destatis, 2014). Die schrumpfende Bevölkerung sowie der stark steigende Anteil der über 65-Jährigen, die oft in Einpersonenhaushalten leben, machen die Sicherung von Mobilität, Gesundheit und Versorgung zu zentralen Handlungsbereichen der Digitalisierung im ländlichen Raum. Ansatzpunkte sind dabei beispielsweise digital unterstützte, adaptive Mobilitätslösungen (z. B. Rufbusse, Ruftaxis, Online-Mitfahrzentralen), ein leichterer Zugang zu medizinischer Versorgung durch digital optimierte Rettungsketten, digital ­unterstütztes Einkaufen für Ältere sowie mehr gesellschaftliche Teilhabe durch digitale Kulturangebote oder mobile Verwaltungsbüros.

Insbesondere die digitale Unterstützung der Patientenversorgung mit direk­
t­erem und schnellerem Zugriff auf Fachärzte birgt große Chancen für den ländlichen Raum und die alternde Bevölkerung. Telemedizinische Lösungen erhöhen nicht nur die Behandlungsqualität und den Komfort, sie erlauben auch eine deutlich günstigere Versorgung. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens
umfasst unter anderem die Verbesserung der ärztlichen Versorgung in Not­fällen, die Optimierung der Rettungskette durch bessere Vernetzung von Rettungsleitstellen, die Vereinfachung der ambulanten Versorgung durch Online-Sprechstunden sowie den digitalen Austausch von Daten zwischen Patient, Arzt und Apotheke.

Der Freistaat Thüringen wird vor diesem Hintergrund die Entwicklung von ­Modellwohnungen fördern, die aufgrund ihrer Ausstattung (Smart Home/Smart Health), Sensorik und Kommunikation infrastrukturelle Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben auch für Hochbetagte und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen schaffen.

Insgesamt kann die Attraktivität des ländlichen Raums verbessert werden, wenn die entscheidenden Akteure zusammenarbeiten und Prozesse miteinander verknüpft werden. Die Bildung von Kooperationen verschiedener Dienstleister kann Synergieeffekte erzeugen, die die Zukunftsfähigkeit ländlicher Räume sichert.

Von besonderer Bedeutung sind lokale Netzwerke aus Bürgerinnen und Bürgern, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Bildungseinrichtungen, die gemeinsam Lösungen in den verschiedenen Lebensbereichen wie z. B. Gesundheit, Bildung und Nahversorgung entwickeln.

Dem ehrenamtlichen, bürgerschaftlichen Engagement kommt in diesem ­Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu. Bürgerschaftliches Engagement leistet schon heute vielerorts unersetzliche Hilfen bei der Sicherung der Daseinsvorsorge.

Vor allem in den ländlich geprägten Regionen ist es häufig dadurch motiviert und geprägt, die Verhältnisse vor Ort mitbestimmen zu wollen. Bürgerschaftliches Engagement trägt damit insbesondere im ländlichen Raum maßgeblich zum gesellschaftlichen Miteinander bei und hat damit einen starken identitätsstiftenden Charakter.

In Hinblick auf die Digitalisierung schlummern hier enorme Potenziale für digitale Freiwilligen- und Nachbarschaftsbörsen. Neben neuen Möglichkeiten der Ansprache und Gewinnung von potenziell Engagierten kann es durch die Digitalisierung und Vernetzung vor allem auch gelingen, Engagierte entsprechend ihrer Kompetenzen, ihres Wissens und ihrer Interessen gezielt einzu­setzen und letztlich auch Bedarfe und zentrale Engagementbereiche besser
zu identifizieren.
Nicht zuletzt trägt eine strategisch ausgerichtete Landesentwicklungspolitik dem übergeordneten Ziel der Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse in Stadt und ländlichem Raum Rechnung. Mit der im Landesentwicklungsprogramm (LEP 2025) vom 15. Mai 2014 erfolgten raumordnerischen Gliederung Thüringens in drei Raumstrukturtypen und zehn Raumstrukturgruppen
(siehe Grundsatz 1.1.1 LEP 2025) wird der Fokus auf gewachsene Verflech-
­­t­ungen und Beziehungen gelegt.

Vor allem aber gewinnt das Zentrale-Orte-System als Konzept der Sicherung der Daseinsvorsorge in allen Landesteilen zunehmend an Bedeutung und nimmt einen besonderen Stellenwert in der Raumordnungs- und Landesentwicklungspolitik des Freistaats ein.

Mit dem Ansatz, die zentralen Orte als Ankerpunkte zu stärken und in ihnen konzentriert die wichtigsten Daseinsvorsorgeleistungen vorzuhalten, können Synergieeffekte erschlossen und Infrastrukturen passgenau ausgerichtet werden. Für die mit der Digitalisierung verbundenen Ziele ergeben sich hier wesentliche Anknüpfungspunkte.