Digitale Landesentwicklung für den städtischen und ländlichen Raum


Vision
Das Ziel der Landesregierung ist es, den ländlichen und städtischen Raum so zu gestalten, dass die Daseinsvorsorge und gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land gesichert sind.

 

 

Wie kaum eine andere Entwicklung prägt der derzeitige demografische ­Wandel unsere Gesellschaft. Er ist und bleibt auf nicht absehbare Zeit gekennzeichnet vom Bevölkerungsrückgang und einer erheblichen Veränderung der Altersstruktur. Thüringen hat zwischen 1990 und 2015 rund ein Fünftel seiner Bevölkerung verloren (–441.000 Einwohner bzw. –17 Prozent). Bis 2035 wird die Bevölkerung des Freistaats um weitere 281.700 Personen zurückgehen (–13,1 Prozent). Im selben Zeitraum wird der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung von 24,0 Prozent in 2015 auf 34,4 Prozent in 2035 (+119.482 Personen) ansteigen. Mehr als jeder dritte Thüringer gilt dann als Senior.
Somit birgt der demografische Wandel in Thüringen große Herausforderungen –
aber auch Chancen, die beherzt angegangen werden müssen. Die Möglich­keiten der Digitalisierung können dabei einen erheblichen Beitrag zur Sicherung der zukünftigen Daseinsvorsorge sowohl in Städten und ländlichen Räumen als auch zwischen beiden Lebenswelten leisten.

Rund 90 Prozent der Fläche Thüringens zählen zum ländlichen Raum. Allein 764 der insgesamt 849 Thüringer Gemeinden sind ländlich geprägt. Der länd­liche Raum mit seinen vielfältigen Kulturlandschaften ist somit maßgeblich an der Identität Thüringens beteiligt und ist Lebens-, Arbeits- und Erholungsraum für die Menschen im Land.

Die ländlichen Räume in Thüringen sind geprägt durch eine Vielfalt an ­klein­teiligen Siedlungsstrukturen, attraktiven Klein- und Mittelstädten, ­natürlichen und schutzwürdigen Lebensräumen, abwechslungsreichen Kulturlandschaften, regionalen Traditionen, Freizeitangeboten, kleinteiligen ­Unternehmensstrukturen im wirtschaftlichen Bereich und hohem bürgerschaftlichen ­Engagement.

Erklärtes Ziel der Thüringer Landesregierung ist es, gleichwertige Lebens-, Wohn-, Arbeits- und Erholungsbedingungen in allen Landesteilen zu sichern. Im Mittelpunkt steht dabei eine stabile und zukunftsfähige öffentliche ­Daseinsvorsorge auf den Gebieten der Bildung, der Gesundheit und Pflege, beim Nahverkehr, der Ver- und Entsorgung sowie der Kommunikation.

Mit seiner Politik will der Freistaat den ländlichen Raum als Wohn-, Erholungs- und Wirtschaftsstandort nachhaltig stärken. Die Lebensverhältnisse außerhalb der städtischen Gebiete sollen gefördert und dauerhaft verbessert werden. Es sind neue Strategien und gemeinsames Handeln gefordert, um die ländlich geprägten Regionen lebenswert zu erhalten und moderne Städte zu gestalten.

Eine digitale Vernetzung in der Stadt und im ländlichen Raum kann in den ­Bereichen Digitales Haus/Gebäude, Digitale Versorgung/Gesundheit, Digitale Teilhabe sowie Digitale Mobilität und Sicherheit Lebensqualität für Bürger und Standortattraktivität für Unternehmen schaffen. Dazu gehören z. B. die Vernetzung von Haushaltsgeräten und Supermärkten, intelligente Stromzähler in Gebäuden, intelligente Wasserversorgung/Abwasserentsorgung und intelligentes Recycling ebenso wie digitale Nachbarschaftsnetzwerke, sensorgestützte Verbrechensmeldung und digital optimierte Verkehrsflusssteuerung. Beim Ausbau der digitalen Infrastruktur können Kommunen und Landesregierung einen wichtigen Beitrag leisten.
Die internationale Erfahrung zeigt, dass die digitale Vernetzung messbare Erfolge liefert; z. B. kann eine adaptive Verkehrssteuerung die durchschnittliche Fahrzeit um bis zu 20 Prozent senken, digital vernetzte multimodale Transportmöglichkeiten können die Nutzung des ÖPNVs um bis zu 7 Prozent steigern und intelligente Straßenlampen den Stromverbrauch um bis zu 75 Prozent senken (Europäische Kommission, 2016, McKinsey & Company, 2013). Thüringer Mittelstädte haben das Potenzial, durch Digitalisierung Verkehrs­flüsse zu optimieren, Parkplatzsuche zu reduzieren, Radfahrersicher-­heit zu erhöhen und die digitale urbane Infrastruktur auch im Sinne einer „Smart City“ weiter auszubauen.
Die Digitalisierung hat zudem das Potenzial, die Lebensqualität des ländlichen Raums zu sichern bzw. zu steigern. Ansatzpunkte sind digital unterstützte Mobilität, verbesserte gesellschaftliche Teilhabe, beispielsweise über digitale Kulturangebote oder digital unterstütztes Einkaufen (insbesondere für ältere Menschen), vereinfachter Zugang zur medizinischen Versorgung z. B. durch eine digital optimierte Rettungskette oder elektronische Medikationspläne.

Darüber hinaus gilt es, die Chancen der Energiewende zu nutzen und intelligente Versorgungsnetze zu entwickeln, die eine nachhaltige, ressourcenschonende und effiziente Energieversorgung ermöglichen.

Für das Flächenland Thüringen liegt bei der ­Sicherung der Daseinsvorsorge der Zukunft die Herausforderung insbesondere in der digitalen Vernetzung von Städten und ländlichen Räumen. Hier sind erhebliche Potenziale zu erschließen.