Bildung und Forschung digital


Vision

Der Freistaat Thüringen wird die digitale Bildung als lebenslangen Lernprozess mit allen relevanten ­Akteuren aktiv gestalten und dabei insbesondere
den Wissenstransfer durch digitale Technologien unterstützen sowie verstärkt digitale Innovationen in ­Forschung und Entwicklung fördern.

 

 

Im Bereich der Schulbildung gilt Thüringen als eines der profiliertesten Bundesländer Deutschlands. Die Betreuungsquote ist mit 19,2 Schülerinnen/Schülern pro Lehrkraft deutlich besser als der Bundesdurchschnitt von 23,5 Schülerinnen/Schülern pro Lehrerin/Lehrer (Destatis, 2016b). Thüringer Lehrkräfte nutzen zunehmend auch digitale Medien zur Gestaltung des Unterrichts. Thüringen ist im bundesweiten Vergleich bei der Nutzungshäufigkeit digitaler Medien im Unterricht auf Platz vier (Deutsche Telekom Stiftung, 2015). Der Einsatz digitaler Medien kann den Lernprozess unterstützen.

Kinder können schon in jungen Jahren spielerisch erste Erfahrungen mit der digitalen Welt machen und numerische, sprachliche und motorische Kompetenzen trainieren. Der frühzeitige Kontakt zu Informations- und Kommunika­tionstechnologien wie auch zu Naturwissenschaften sensibi­lisiert und qualifiziert Kinder und Jugendliche zudem frühzeitig für eine mögliche Berufs- und Studienwahl in diesen Bereichen. Auch die Kommu­nikation zwischen Eltern,  Erzieherinnen/Erziehern oder Lehrkräften lässt sich durch digitale administrative Formate vereinfachen. Auf Basis des ­Thüringer Medienbildungskonzeptes sollen die unterschiedlichen Angebote der Medienbildung besser verzahnt und auf den digitalen Wandel der ­Gesellschaft ausgerichtet werden.

Digitale Lern- und Lehrformate bieten ebenfalls großes Potenzial für den Kompetenzaufbau in beruflicher Bildung und Weiterbildung. Sie ermöglichen Auszubildenden und Arbeitnehmern, standort- und zeitunabhängig zu lernen. Flexible Bildungsangebote lassen sich modular in den Arbeitsalltag integrieren und Präsenzphasen bei Bedarf minimieren.
Verschiedene Bildungsformate vermitteln im dualen System und in der ­Weiter-/Fortbildung digitale Grundfertigkeiten und ermöglichen Fach- und Führungskräften eine Weiterqualifizierung, die angesichts der bevorstehenden Änderungen in der Arbeitswelt notwendig wird. Zudem sensibilisieren sie die Lernenden, bewusst und selbstbestimmt, aber auch kritisch und kreativ mit digitalen Medien umzugehen. Zum langfristigen Erhalt und Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit sind in diesem Bereich auch Arbeitgeber zunehmend gefragt, ihren Arbeitnehmern Entwicklungsmöglichkeiten und Freiräume für Fortbildungen zu schaffen.

Medien und digitale Kommunikation durchdringen den gesellschaftlichen Lebensalltag. Informationstechnologien prägen zunehmend die gesamte Arbeitswelt. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Erzeugung und Verbreitung von Wissen. Deshalb werden die Hochschulen von der Digitalisierung vor eine doppelte Herausforderung gestellt: Digitale Medien und Sachverhalte werden zum einen zunehmend zu wissenschaftlichen Untersuchungsgegenständen beziehungsweise zu Inhalten des Curriculums. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung zum anderen grundlegend die Art und Weise, wie Hochschulen Wissen vermitteln und in der Forschung neue Erkenntnisse generieren.
Mit einer Strategie zur Digitalisierung an den Thüringer Hochschulen wollen das Land und seine Hochschulen Perspektiven und Ziele aufzeigen, wie
sie den Digitalisierungsprozess aktiv gestalten und das Potenzial der neuen ­Technologien zur Weiterentwicklung der Thüringer Hochschulen nutzen können. Im Freistaat bestehen bereits zahlreiche Initiativen und Forschungsschwerpunkte. Künftig sollen diese enger vernetzt und gebündelt werden, sodass die Thüringer Hochschulen noch stärker als bisher voneinander profitieren. Thüringen profiliert sich damit als moderner und fortschrittlicher Bildungs- und Forschungsstandort.

Der Bedarf an transdisziplinärer Grundlagenforschung und angewandter Forschung im Bereich Digitalisierung ist groß. Big Data und neue Formen der Datenaus­wertung bieten Potenzial für Forschung und Erkenntnisprozesse in der Wirtschaft. Theorien und potenzielle Geschäftsideen können schneller überprüft und Hypothesen durch neuartige Verknüpfungen aus großen Datenmengen abgeleitet werden. Zudem revolutionieren digital unterstützte Methoden die Forschung. Derzeit arbeiten 90 Forschergruppen weltweit an der Entwicklung von Softwarelösungen zur automatisierten Hypothesenbildung und zur Untersuchung von Forschungsarbeiten nach Mustern oder Trends.
So können aus mehr als 50 Mio. Forschungsarbeiten die vielversprechendsten Hypothesen abgeleitet werden (Stifterverband, 2016).

Der Freistaat Thüringen sieht im Bereich der digitalen Innovationen einen wichtigen Forschungsschwerpunkt und wird diesen ausbauen. Denn Digitalisierung betrifft nicht nur die Technik des wissenschaftlichen Arbeitens. Durch Digitalisierung und Vernetzung entstehen in immer schnellerer Folge neue Handlungsmöglichkeiten, die alle Lebensbereiche durchziehen. Forschung sucht nach Antworten, wie diese neuen Handlungsmöglichkeiten für Wirtschaft und Gesellschaft genutzt werden können und gestaltet werden müssen.

Stärker in den Fokus rückt dabei der Transfer von Wissen in Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft und Politik. In Thüringen fallen neben erfolgreichen ­Forschungsaktivitäten die noch relativ geringen FuE-Ausgaben regionaler Unternehmen auf. Nur 51 Prozent der Thüringer Betriebe haben FuE-Kooperationen mit Forschungseinrichtungen, in Sachsen sind es 67 Prozent (Zanker & Som, 2015). Es kommt daher auch darauf an, einen schnelleren Transfer anwendungsorientierter Forschung aus Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen in den Mittelstand zu sichern. Auch müssen digitale Innovationen aus internationalen Vorreiterunternehmen schneller den Weg in den Thüringer Mittelstand finden.